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Vom Haar zur Kette |
Wir wollen dies erklären:
Ein Mensch behält nach einem kleinen Zerwürfnisse mit seinem Nächsten einen gewissen heimlichen Groll gegen ihn im Herzen: seht das Haar!
Er wird mit ihm nicht reden, er wird ihn nicht grüßen; — seht den Faden!
Dann wird er anfangen, Übles von ihm zu reden, und ihn schmähen; — das ist der Strick!
Schließlich, wenn ein weiterer Anlass zu Zorn und Unmut hinzu kommt, wird er einen tödlichen Hass wider seinen Nächsten fassen, und das ist die Kette, durch welche er zum Sklaven der Hölle gemacht wird.—
Oder es hegt jemand eine Zuneigung zu einer Person und nährt diese Anhänglichkeit anfangs unter dem Vorwande der Dankbarkeit: bald folgen gegenseitige Geschenke; darauf werden verliebte Worte folgen; dann wird der Unglückliche bei überhand nehmender Leidenschaft mit einer Kette gebunden werden, die ihn in den ewigen Tod zieht.
Kurz, wie es einem Spieler ergeht, welcher, nachdem er viele kleine Summen verloren hat, endlich alles einsetzt und alles verliert, was er hat; so ergeht es auch einer lauen Seele. Nachdem sie viele kleine Verluste im geistlichen Leben erlitten hat, wird sie, weil sie zu schwach ist der Versuchung zu widerstehen, endlich sagen: „so werde denn alles eingesetzt" und auf diese Weise wird sie Gott und sich verlieren. —
O, welchen Einfluss gewinnt auf uns der Höllengeist, wenn er sieht, dass wir von einer Neigung gefesselt sind!
Der heilige Ambrosius sagt; „Der höllische Feind kundschaftet aus, was uns am meisten reizt, und indem er uns dies vor Augen stellt, erregt er die Begierlichkeit, und auf solche Weise legt er die Fallstricke, um uns zu fangen."
Zur Erläuterung des letzteren siehe auch: